Identifikatoren für Zweitpublikationen

Liebe Community,
gibt es (offizielle) Empfehlungen, ob bei Zweitveröffentlichungen in einem Repositorium ein DOI registriert werden sollte, auch wenn es bereits einen Verlags-DOI der inhaltlich gleichen Erstpublikation gibt?
Der 2. DOI bringt dem Repositorium eine bessere Zugriffsstatistik. Ich habe viele Repositorien gefunden, die einen eigenen DOI für Zweitpublikationen vergeben.
Andererseits höre ich oft die Meinung, dass 2 DOIs Zitierende in Verwirrung bringen und damit ihrem Sinn und Zweck der eindeutigen Identifikation entgegen stehen.
Danke für Ihre/Eure Meinungen!

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Moin,
das finde ich sehr spannend!
Ich halte eine 2. DOI als keine gute Idee. Und inwiefern verbessert eine 2. DOI die Zugriffsstatistiken? Das kann ich nicht nachvollziehen?
Es erschwert es doch eher, weil mehrere Identifier im Umlauf sind, die im Repositorium nicht aggregiert werden.

Wäre doch sicher auch mal ein Thema für die DINI AG E-Pub und das nächste DINI Zertifikat.

Beste Grüße
Daniel

In den von der TIB betriebenen Repositorien werden für alle Publikationen DOIs vergeben, unabhängig davon, ob es sich um Erst- oder Zweitveröffentlichungen handelt.

Auskunft unserer Repository-Managerin:

Es gibt im DINI-Zertifikat 2019 eine Mindestanforderung an Repositorien, die lautet:
„Für jedes in den Publikationsdienst eingebrachte und veröffentlichte Dokument (sowie jede neue Version), wird ein Persistent Identifier (PI) vergeben. Mögliche PI-Systeme sind beispielsweise DOI, URN und Handle.“

Es sollte also immer ein PI vorhanden sein, der auf die Version im Repositorium verweist.

Wenn die Verlags- und Repo-Publikation nicht inhaltsgleich sind (verschiedene Versionen) oder einmal mit einmal ohne Paywall, muss die Repo-Version ja auch eindeutig identifizierbar sein. Und selbst wenn wir die bereits beim Verlag frei zugängliche Verlagsversion inhaltsgleich auf dem Repo zweitveröffentlichen ist dies sinnvoll. Sollte die Verlagswebseite verschwinden oder umziehen und der Verlags-DOI nicht gepflegt werden, nützt er niemandem mehr was. Über den Repo-DOI kann die Publikation aber weiterhin abgerufen werden.

Natürlich sollte bei Zweitveröffentlichungen auf die Originalversion verwiesen und diese verlinkt werden.

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Da kommt der Zugriff über Kataloge ins Spiel und damit verbunden die Katalogisierungsrichtlinien. Nach der Veröffentlichung im Repo wird eine Titelaufnahme für den Katalog der Bibliothek erstellt. Nach den neuen Richtlinien soll darin nur der Identifier EINES Anbieters genannt werden. Bei mehreren Identifiern wird am liebsten der DOI genommen. So wird bei Zweitveröffentlichungen der Verlags-DOI erfasst, wenn es keinen Repo-DOI gibt. Damit erhält der Verlag den Klick.

Auf eine Art offizielle Empfehlung kann ich nicht verweisen. Allerdings ist die Frage und dieser Sachverhalt auch bei uns (UB der HU Berlin) bereits mehrfach aufgetaucht, meist als praktisches Problem. Beispielsweise gab es Rückmeldungen von Wissenschaftler:innen darüber, dass ihre Artikel nach Ablage/Zweitveröffentlichung auf unserem Repositorium doppelt von ResearchGate gelistet wurden, und Bedenken bezüglich negativer Auswirkungen auf Statistiken. Eine darüber hinausgehende grundlegenden Diskussion, die sowohl die größere Ebene als auch die technischen Details einbezieht, ist mir nicht bekannt. (Falls jemand dazu etwas kennt, bitte teilen.)

Für eine eigenständig stehende Publikation auf einem Repositorium, auch bei Zweitveröffentlichungen, sollte grundsätzlich unbedingt ein persistenter Identifikator vergeben werden. Dies ist eine gängige Anforderung und muss nicht zwangsläufig durch eine DOI erfüllt sein (siehe Antwort von @sschmeja).
Insbesondere wenn abweichende Versionen (meist Manuskriptversionen) von anderswo erstveröffentlichten Publikationen abgelegt werden, wird Sinn und Zweck einer eindeutigen Referenzierung über einen persistenten Identifikatior deutlich.

Insofern die Metadaten einer entsprechenden Zweitveröffentlichung eindeutig auf die Erstveröffentlichung verweisen (auch hier via eines persistenten Identifikators), die Version des Volltextes angeben und das Datum der Zweitveröffentlichung enthalten ist, sind eigentlich alle Daten vorhanden, um die Beziehung zwischen Erstveröffentlichung und Zweitveröffentlichung(en) klar darzustellen und in Datenbanken und Statistiken korrekt abzubilden; auch im Falle von vor der Erstveröffentlichung publizierten Preprints.
Insofern dies gegeben ist, sollte auch die mögliche Verwirrung minimiert sein. Dem grundsätzlichen ‚Problem‘ wird man auch nicht mit der Nichtvergabe eines persistenten Identifikators bei einigen Repositorien begegnen können, da Zweitveröffentlichungen an vielen Stellen veröffentlicht werden können. Beispielsweise werden Artikel mit vielen Autor:innen, die über DeepGreen automatisch an die Repositorien der affilierten Einrichtungen geliefert werden, zwangsläufig auf mehreren Repositorien verfügbar gemacht werden.

Beste Grüße,
Marc

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Passend zum Thema ein Hinweis auf folgenden Artikel:

Was würde denn außer DOIs als persistenter Identifier gelten? Z. B. auch Primärschlüssel, die das System vergibt? (Frage für eine Hochschule, die gerade einen Server mit LibreCat/PUB aufbaut :wink: ).

Vielen Dank für die bisherigen Rückmeldungen! Die von @sschmeja beschriebene Anforderung erfüllen wir durch Vergabe eines URN. Bei abweichenden Versionen würden wir auch einen eigenen DOI vergeben.

Für unsere Entscheidung finde ich folgenden Satz hilfreich:

Es stimmt, wir machen den Sachverhalt nicht deutlicher, wenn wir keinen DOI vergeben.

Verbreitet ist ist neben der Vergabe von DOI noch das URN-System. Es gibt aber auch noch andere, weniger bekannte persistente Identifikatoren, siehe: Persistente Identifikation — Forschungsdatenmanagement

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Das Thema ist auch für uns relevant (peDOCS). Wir vergeben bereits standardmäßig URNs (auch, wenn bereits eine URN bei Datenablieferung vorhanden ist) und können in Kürze auch selbst DOIs vergeben. Ich bin auf unterschiedliche Meinungen gestoßen - aber: Gerade aktuell bearbeite ich eine Liste mit Publikationen, deren Verlags-DOIs mittlerweile nicht mehr funktionieren, quasi ins Nichts führen. Ich habe auch einen SEO-Experten um seine Meinung zu diesem Thema gefragt und warte auf Antwort. Eine Bibliothekarin hier aus dem DIPF vertrat die Meinung, dass Dokumente in unserem Repo eine eigene Sammlung darstellten und daher eine DOI gerechtertigt sei. Und: Wenn peDOCS ein vertrauenswürdiges Repo sein will, dass für nachhaltige Daten steht, dann sollten wir auch dafür sorgen, dass unsere Dokumente einen PI erhalten, der nicht irgendwann „verschwindet“.
Sie sehen, ich tendiere dazu, allen Dokumenten eine DOI zu vergeben, egal, ob bereits eine DOI vorhanden ist.

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Ich würde noch folgende Überlegung einbringen: Ich erwarte eine korrekte Identifizierbarkeit aller Versionen etc. Dazu gehört für mich, dass ich in irgendeinem denkbaren Anwendungsszenario die Version im Repository korrekt identifizieren und verlinken kann - auch wenn ich als Nutzer*in oder wenn die Repository-Managerin nicht mit absoluter Gewissheit sagen kann, ob die Verlagsversion und die Repositoryversion identisch sind. Wer die Repository-Fassung zitieren will oder mit der Verlagsversion vergleichen will, soll die Möglichkeit haben, beides getrennt voneinander zu referenzieren. Alles andere ist Sache ordentlicher Metadaten und Verknüpfungen.

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